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DIE ERSTE DEUTSCHE LIEBESKUMMER-PRAXIS

Alles ist rosa, alles so Zucker. Überall knutschende Lovebirds, Herzen in den Schaufenstereinlagen – doch im eigenen Postkasten stapeln sich nur Mahnungen, nicht Liebesbriefe. Und schon gar keine parfümierten.

Der Valentinstag ist der Tag, an dem die Liebe zelebriert werden soll. Doch was, wenn’s da nix zum Feiern gibt?

Fashionzone gedenkt heute mal all Jenen, die sich ihr Butterbrot selbst schmieren und es abends mal wieder alleine vor dem Fernseher essen müssen – während eine Schnulze wie Dirty Dancing läuft.

Ich habe ein Interview mit Silvia Fauck geführt, die vor ein paar Jahren die erste Liebeskummer-Praxis in Deutschland gegründet hat.

Lest hier, warum die Expertin findet, dass Liebeskummer eine Krankheit ist und, wieso Männer anders leiden als Frauen.

DIE HERZHEILERIN

Silvia Fauck

Fashionzone: Frau Fauck, im November 2004 haben sie in Hamburg die erste deutsche Liebeskummer-Praxis eröffnet. Wie sind Sie darauf gekommen, gebrochene Herzen zu heilen?

Silvia Fauck: Mit Mitte Vierzig hatte ich selbst so einen schweren Liebeskummer. Aber man findet ja keine Anlaufstelle… Beim Arzt bekommt man höchstens eine  Tablette – das bringt einen ja auf Dauer auch nicht weiter. Und sofort eine Therapie machen will auch Keiner. Ich hatte schon damals schon eine Praxis für alltägliche Lebenskrisen. Da habe ich mir gesagt: Jetzt reicht’s!

Fashionzone: Und mittlerweile gibt es deutschlandweit 27 Praxen.

Silvia Fauck: Richtig. Ich konnte mir von keinem was abgucken. Also habe ich das patentieren und als Marke schützen lassen. Ich verkaufe Lizenzen und bilde andere aus.

Fashionzone: Wer wendet sich vor allem an Sie?

Silvia Fauck: Jeder. Die, die Liebeskummer haben, weil sie betrogen wurden, frisch geschieden sind usw. Aber auch die Einsamen, die sich fragen: „Warum finde ich keinen Partner?“ Meine Klienten fangen an bei Mitte 20 und hören auf bei 70 Jahren.

„Lebenserfahrung ist das Wichtigste!“

Fashionzone: Und wenn Jemand anonym bleiben will?

Silvia Fauck: In solchen Fällen gibt es unsere Hotline. Da brauche ich keine Bankdaten, das wird automatisch über die Telefonrechnung abgebucht und man kann ohne Termin anrufen – was Prominente oder Leute, die unerkannt bleiben wollen, häufig nutzen.

Fashionzone: Was kostet Ihre Herzreparatur und mit wie vielen Stunden muss man rechnen?

Silvia Fauck: Inklusive Mehrwertsteuer 119€ die Stunde. Die meisten kommen nur einmal, weil Sie von mir eine Richtung aufgezeigt bekommen wollen.

Fashionzone: Und was erwarten diese von Ihnen?

Silvia Fauck: Viele wollen reden und ihre Trauer loswerden. Dann gibt es welche, die wirklich weiterkommen wollen. In solchen Fällen machen wir Übungen und entwickeln Strategien, da geht es um lebensumfassende Tipps. Ich werde z.B. gefragt, ob man lieber in eine neue Wohnung ziehen, die Frisur ändern oder alleine Ausgehen sollte…

Fashionzone: Hatten Sie auch schon mal Patienten, die Sie wegschicken mussten, weil Sie keine Chance auf Heilung gesehen haben?

Silvia Fauck: In zehn Jahren ist das vielleicht zweimal vorgekommen, weil ich gemerkt habe, dass die Klienten eine klinische Störung hatten. Die mussten dann wirklich zu einem Arzt oder Diplom-Psychologen. Am Telefon hatte ich auch schon mal einen Klienten, dem ich gesagt habe, dass er beratungsresistent ist.

Fashionzone: Vielen fällt es sicher schwer, sich zu öffnen. Wie schaffen Sie Vertrauen?

Silvia Fauck: Ich erzähle meinen Klienten immer auch von meinen eigenen Erfahrungen. Sie wollen wissen, ob ich auch schon mal Liebeskummer hatte. In meinem Job ist die Lebenserfahrung das Wichtigste! Ich kann hier nicht als gutaussehende 20-Jährige sitzen, die noch nie Liebeskummer hatte.

Fashionzone: Was ist der blödeste Spruch, der Ihnen in Bezug auf Liebeskummer einfällt?

Silvia Fauck: „Nach Jedem Regen kommt Sonne“, „Kopf hoch“ und „Die Zeit heilt alle Wunden.“ Was natürlich leider irgendwie stimmt, will aber kein Mensch wissen. Wenn man ein bisschen was in der Birne hat, weiß man außerdem, die Zeit kann auch mal zwei Jahre dauern…

Fashionzone:  Puh, klingt ganz schön lange…

Silvia Fauck: Ich selbst habe über fünf Jahre gebraucht, um mit meinem Liebeskummer fertig zu werden. In der Zeit hatte ich schon drei Bücher zu dem Thema geschrieben, da hing ich selbst noch im Müll.

Fashionzone: Nimmt man sich also häufig zu wenig Zeit für Liebeskummer?

Silvia Fauck: Ja. Die Zeit muss man sich wirklich erstmal nehmen.

„Wo kommen wir denn da hin, wenn sich bei Liebeskummer Jeder Hilfe holt?!“

Fashionzone: Haben Sie als Expertin denn kein Patent-Rezept?

Silvia Fauck: Es ist enorm wichtig, abzuwarten und an sich selbst zu arbeiten. Außerdem: Gut gelaunt zu sein und vor allem: Ein Freundeskreis, damit man auch mal raus kommt.

Fashionzone: Wird Liebeskummer in der Gesellschaft oft nicht ernst genug genommen?

Silvia Fauck: Auf jeden Fall. Vielen fällt es schwer, zu viel Gefühl zuzugeben. Es ist ja peinlich, sich bei diesen Themen Beratung zu holen. Ich werde ja auch nicht weiterempfohlen. Die Leute kommen zu mir und waren angeblich nie hier!

Fashionzone: Aber so ziemlich Jeder hatte doch schon mal Liebeskummer. Wo liegt das Problem?

Silvia Fauck: Liebeskummer wird immer noch als Schwäche gesehen. Die meisten Menschen sind hilflos, zu helfen. Sie können sich sowas vielleicht vier mal anhören, aber dann heißt es schon: „Jetzt reiß dich aber mal zusammen!“ Es ist lästig, zu hören, dass es dem Anderen immer noch schlecht geht.

Fashionzone: Womit begegnen Ihnen Kritiker am Häufigsten?

Silvia Fauck: „Was Liebeskummer? Um Gottes Willen!“ Oder: „Wo kommen wir denn da hin, wenn sich bei Liebeskummer Jeder Hilfe holt?!“ Entschuldigung, das soll doch bitteschön Jeder selbst entscheiden!

Fashionzone: Auf Englisch sagt man Broken-Heart Syndrom. Ist Liebeskummer Ihrer Meinung nach eine Krankheit?

Silvia Fauck: Ja, auf jeden Fall. Weil es einen auch einfach körperlich kaputt macht. Liebeskummer geht über die Seele hinaus.

Fashionzone: Ab wann wird Liebeskummer gefährlich?

Silvia Fauck: Wenn man mindestens sechs Wochen nicht schlafen und essen kann. Dann wäre der nächste Schritt, dass man nicht arbeiten kann und da muss man dringend eingreifen!

Fashionzone: Viele verlieren sicherlich auch ihren Lebensmut…

Silvia Fauck: Genau, das geht ineinander über. Viele rutschen durch den Liebeskummer in eine Lebenskrise. Selbstmordgefährdete Klienten habe ich ganz oft. Deshalb arbeite ich auch mit Ärzten zusammen. Viele brauchen dann ein leichtes Psychopharmaka und nehmen es auch sofort. Denn Sie sind ja da, um sich Hilfe zu holen.

„Schnell ’ne Neue? Wirkt bei Männern wie eine Tablette!“

Liebeskummer-Expertin Silvia Fauck

 

Fashionzone: Nimmt man so einen Job nicht auch immer mit ins Privatleben?

Silvia Fauck: Ja, das ist sehr schwierig. Manchmal fällt mir nachts auch ein, was ich bestimmten Klienten noch raten könnte. Ich kann das nicht einfach so abtun, mich ins Bett legen und abschalten. Ich bin der bezahlte Mülleimer. Ich kann aber auch nur so arbeiten: Ganz oder gar nicht.

Fashionzone: Leiden Männer und Frauen eigentlich unterschiedlich?

Silvia Fauck: Ja, sehr. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Frauen fallen schneller ins Unglück und Männer haben sofort ne Neue, drücken ihren Schmerz weg. Das machen Frauen eher selten. Was nicht heißt, dass Männer nicht trauern. Sie haben dadurch einfach sofort ein aufgebautes Selbstwertgefühl – das ist wie eine Tablette! Männer leiden anders, sie können nicht alleine sein. Frauen werden mit dem alltäglichen Leben besser fertig.

Fashionzone: Trauern Frauen also länger als Männer?

Silvia Fauck: Ja, Frauen leiden länger. Beziehungsweise offizieller. Sie sind immer die, die von ihrer Gefühlslage und dem Liebeskummer erzählen. Ich habe es damals zum Beispiel an der Wursttheke erzählt. Da hat mich die Verkäuferin gefragt: „Na, was sehen Sie denn so schlecht aus?“ Und ich habe geantwortet: „Ich wurde verlassen.“ Das täte ein Mann niemals! Das ist der Unterschied.

Fashionzone: Spielt Sex in ihrer Praxis auch eine Rolle?

Silvia Fauck: Eigentlich nicht. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Frau ihren Partner verlassen hat, weil der neue Mann besser im Bett ist. Männer denken das häufig, aber das ist bei Frauen nicht so.

Fashionzone: Würden Sie sagen „Wer suchet, der Findet“ oder ist Leben das, was passiert, während man andere Pläne schmiedet?

Silvia Fauck: Ich glaube, dass man gefunden wird! Ich persönlich würde nie losgehen, mit der Absicht, Jemanden kennen zu lernen – das geht ja nur nach Hinten los… Das rate ich Singles auch. Ich bin ehrlich gesagt nicht für diese ganzen Internet-Geschichten, aber muss zugeben, dass ich mehrere Klienten habe, die dadurch Jemanden kennen gelernt haben. Aber es ist natürlich auch zu 80% Scheisse dabei!

Fashionzone: Gibt es denn manchmal auch ein Happy End?

Silvia Fauck: Ich bekomme öfters Post von meinen ehemaligen Klienten. Manchmal hat es dann vielleicht sogar wieder mit dem Expartner geklappt und ich sie schicken mir Hochzeits- oder Babyfotos.

Vielen Dank für das Interview.

Und hier noch ein paar SOS-Tipps, um den Valentinstag zu überstehen

Silvia Fauck und Kollegin Sandra Ehrenberg wissen, dass Stress am Valentinstag oft vorprogrammiert ist. Weil der Partner höchstens Blumen von der Tanke mitbringt und Singles in eine „Keiner liebt mich“-Kurzzeitdepression verfallen. Deshalb haben die beiden Liebeskummer-Expertinnen eine Liste zusammengestellt, mit der man die große Enttäuschung umgehen kann.

Tipps für Paare:

Tipp 1: Klären Sie vorab, welche Bedeutung der Valentinstag für den Partner hat. So können Sie Enttäuschungen vorbeugen.

Tipp 2: Schreiben Sie einen echten Liebesbrief, der mehr als die Länge einer SMS hat. Seine Gefühle in 160 Zeichen auszudrücken hat noch niemand geschafft.

Tipp 3: Machen Sie früher Feierabend und überraschen Sie ihren Liebsten mit einem romantischen Candle-Light-Dinner oder einem Picknick zu Hause.

Tipp 4: Musik sagt mehr als 1000 Worte! Ein Konzertbesuch, eine CD oder ein selbstgesungenes Liebeslied können eine schöne Überraschung sein.

Tipp 5: Sagen Sie sich, dass sie sich lieben. So einfach und doch so schwer. Dazu gehören auch der Austausch von mehr Zärtlichkeiten, Küssen und Berührungen.

Tipps für Singles:

Tipp 1: Belohnen Sie sich mit einer Extraportion Glück in Form von Schokolade. Wo und in welcher Form, bleibt Ihnen überlassen.

Tipp 2: Probieren Sie etwas Neues, zum Beispiel eine neue Sportart. Sich ordentlich auspowern heißt auch, sich zu spüren. Ein kraftvolles Erlebnis, dass noch über Tage anhält.

Tipp 3: Laden sie sich ihre Singlefreundinnen ein und feiern sie gemeinsam ihren letzten Valentinstag als Singles.

Tipp 4: Besuchen Sie Verwandte oder Freunde. Der Valentinstag ist der Tag der Liebe und Paare haben diesen nicht für sich reserviert.

Tipp 5: Gehen Sie aus. Egal wohin. Wer weiß, wen Sie unterwegs treffen?

Na dann: Kann ja jetzt nichts mehr schief gehen…!

Mehr zu Silvia Fauck und ihrer Liebeskummerpraxis findet ihr hier.

Vorschaubild: Simone Hainz / pixelio

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